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Case Study Energiespeicher: Was bringt's im energieintensiven Produktionsalltag?

Gemeinsam mit unserem Kunden Klaus Köhler Beton- und Fertigteilwerk GmbH haben wir ein Projekt umgesetzt, das genau dort ansetzt: Von der ersten Konzeptidee über fundierte Wirtschaftlichkeitsanalysen bis hin zur Umsetzung und Inbetriebnahme eines 140 kWh Batteriespeichers.  
Als Systemintegrator für Notstrom- und Energiesysteme wurde von uns das Projekt nicht nur technisch realisiert, sondern über mehrere Jahre hinweg als Sparringspartner begleitet – mit klarem Fokus auf Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Integration in den laufenden Produktionsbetrieb. Das Ergebnis ist kein fertiger Endzustand, sondern ein konsequenter nächster Schritt: Mehr Eigenverbrauch, geringere Netzabhängigkeit und eine belastbare Grundlage für weitere Ausbaustufen.

Wie Köhler Beton diesen Weg zum Betonwerk mit Energiespeicher konkret gestaltet hat und welche Überlegungen dahinterstehen, zeigt das Interview mit dem technischen Betriebsleiter Daniel Höhne-Luckfiel:
 

The Next Step – Batteriespeicher: „Daniel, Köhler Beton nutzt schon lange eine 248-kWp-Solaranlage. Warum war jetzt genau der richtige Zeitpunkt, das System um einen Batteriespeicher zu erweitern?“

DEN richtigen Zeitpunkt gab es damals schon nicht für die Solaranlage. Wir sind uns bei Köhler Beton der Energieintensivität von Beton als Werkstoff bewusst. Und so haben wir, als sie wirtschaftlich und operativ verfügbar wurde, die Installation vorgenommen, um so viel erneuerbare Energie wie möglich in die Produktion einfließen zu lassen. Dann kam die Umstellung unser Firmenfahrzeuge auf E-Mobilität. Jetzt der Batteriespeicher, um noch mehr selbstproduzierte, grüne Energie zu nutzen. Ob es der richtige Zeitpunkt ist, keine Ahnung. Aber es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Technische Dimension: „Was leistet der neue Speicher konkret für den Produktionsalltag in einem Betonfertigteilwerk, das ja naturgemäß sehr energieintensive Prozesse hat?“

Um hier reliable und belastbare Aussagen treffen zu können, fehlt uns tatsächlich noch die operative Erfahrung im Tageseinsatz. Die Anlage ist noch sehr frisch installiert und hinter uns liegt ein doch sehr dunkler Winter. Auch Schnee bedeckte immer wieder Solarzellen auf dem Werk. So richtig testen konnten wir die Anlage daher nur sehr eingeschränkt. Die Daten, die aufzeigen, was möglich ist sind jedoch beeindruckend. Die Speicherkapazität liegt bei 140kWh. Klares Ziel ist es daher zunächst, soviel selbst erzeugte Energie für unser Werk zu nutzen, wie möglich. Kurzum: Netzbezug reduzieren, Solarstromnutzung maximieren.

Umsetzung: „Die Installation wurde von NTC Notstromtechnik Clasen durchgeführt – wie hast du die Zusammenarbeit und die fachliche Kompetenz in der Planungs- und Umsetzungsphase erlebt?“

Wie auch schon bei der Solaranlage, ist man auf kompetente Beratung und im Nachgang eine eben solche Umsetzung angewiesen. Es handelt sich um handfeste Investitionen, die sowohl wirtschaftlich, als auch in ihrer Funktion begründbar sein müssen. NTC Notstromtechnik Clasen war uns dabei ein wertvoller Impulsgeber und Realisationspartner. Sorgfalt braucht dabei Zeit. Die ersten Gespräche begannen bereits Anfang 2023, wenn auch noch unter anderen Vorzeichen und mit einem anderen Vorhaben. Schon bald begannen ausführliche Amortisationsrechnungen und Speicherkonzeptentwürfe. Gemeinsam mit NTC besuchten wir sowohl Volterion als Hersteller als auch Industriebetriebe, die bereits über einen solchen Speicher verfügten und konnten so von den Erfahrungen profitieren. Die erste verbindliche Angebotslegung erfolgte im Juni 2024, die Beauftragung im Juli 2025 und die Realisierung und Inbetriebnahme schon im Dezember 2025.

Integration: „Wie greifen die Solaranlage auf den Werkshallen und der Speicher ineinander, um die Eigenverbrauchsquote im Werk und generell zu optimieren?“

Hier verhält es sich ganz ähnlich wie bei der Nutzung von haushaltsüblichen Balkonkraftwerken. Überschüssige Energie, die von der Solaranlage produziert wird, wird zunächst nicht ins Stromnetz eingespeist, sondern in den Speicher. So steht uns diese Energie etwa am bewölkten Nachmittag zur Verfügung. Wichtig: Der Speicher deckt unseren Energiebedarf nicht ab, aber er optimiert die Effizienz unserer Solarnutzung enorm.

Pionierarbeit: „Viele Unternehmen sprechen über Green Tech – Köhler Beton liefert seit Jahren. Welchen Stellenwert hat die CO2-neutrale Produktion für eure Kunden und die Identität des Standorts Luckenwalde?“

Wer klein ist, muss besser sein. Köhler Beton ist ein Familienbetrieb und Luckenwalde im Vergleich zu den umliegenden Großstädten, etwa Berlin, ein Zwerg. Wir sind unserer Region sehr verbunden und versuchen immer mehr vom Status des Hidden Champions in die Sichtbarkeit als lokaler Technologieträger zu kommen. „Green Tech“ war dabei aber nie ein Ansporn, sondern der funktionale Mehrwert. Wir haben mit Erneuerbaren Energien begonnen, da war es noch nirgendwo ein Thema. Wir entwickeln es seit Jahren erfolgreich. Das tut gut.

Was ist die Köhler Beton Vision: „In der Beton Branche ist Energie ein massiver Kosten- und Umweltfaktor. Wie nah bringt KB der Batteriespeicher an das Ziel einer weitgehend autarken Produktion?“

Hier gilt die alte Klempnerweisheit: „Nach fest, kommt ab.“ Autarkie zu behaupten wäre einfach drüber. Energieautarkie bei einem Betonwerk ist derzeit wirtschaftlich und auch technisch nicht realisierbar. Es mag Leuchtturmideen dazu geben, aber damit werben wir nicht. Unser positiver Umwelteffekt ist jetzt schon enorm. Wenn ganz Deutschland mitzöge, wäre das für die Umwelt ein Segen. Absolute Autarkie ist noch eine Vision, aber vor 30 Jahren war auch das, was wir schon haben, reines Wunschdenken.

Nachahmer einladen: „Welches Signal möchte Köhler Beton mit dieser Investition an andere mittelständische Industrieunternehmen in Luckenwalde und der Region senden? Seid Ihr der Auffassung, dass es sich für die Region lohnen könnte?“

Wer wirklich will, der kann. Nachahmer sind herzlich willkommen, mit uns das Gespräch zu suchen. Als Region können wir von Innovatoren nur profitieren. Außerdem sendet es das Signal: Schaut her, hier passiert was. Manchmal tragen sich Innovationen auch erst auf den zweiten Blick. Zukunftsgestaltung bedeutet auch, auf diese zu wetten.

Lehren aus dem Blackout: „Anfang Januar hat der große Stromausfall im Südwesten Berlins gezeigt, wie verwundbar moderne Infrastruktur ist. Inwiefern fungiert der neue Speicher von KB auch als ‚Versicherungspolice‘ gegen solche Ausfälle?“

Ein Notstrombetrieb, wie er sich Anfang 2026 in Berlin ereignete, ist nicht ohne Weiteres möglich. Kapazität und Verbrauch sind (noch) zu unterschiedlich. Wenn wir mehr Erfahrungen gesammelt haben, lässt sich die Frage präziser mit Fakten beantworten, jetzt wären es nur Vermutungen, welche Energiemenge genau benötigt wird, um einen solchen Notstrombetrieb überhaupt zu gewährleisten. So etwas zu etablieren, steht aber auf jeden Fall auf unserer Roadmap.

Bürokratie: „Was war die größte technische oder bürokratische Hürde bei der Umsetzung dieses Projekts, und was hat Köhler Beton daraus gelernt?“

Ob es große technische Hürden geben wird, zeigt auch hier noch die Zeit. Anlieferung und Aufbau sowie die erste Inbetriebnahme lief durch die Profis von NTC problemlos. Der operative Betrieb wird sicherlich in den kommenden Sommermonaten verlässliche Erkenntnisse liefern. Bürokratische Hürden sind bei derartigen Projekten immer zu meistern. Auch hier haben uns die Profis von NTC Notstromtechnik Clasen und UUB Schwan sorgfältig und kundig betreut. Entlang der föderalen Struktur in Deutschland sind bürokratische Hürden pauschal kaum zu beantworten. In manchen Bundesländern ist der behördliche Aufwand höher, in anderen gewissermaßen nicht gegeben. Man sollte ein solches Vorhaben jedoch nicht ohne Profis bestreiten. Wie angemerkt war die Zu- und Mitarbeit von NTC und UUB Schwan unerlässlich.

 

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